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Süddeutsche Zeitung, 24. Oktober 2016

Zauberhafte Jugendwerke

Farbig-bewegendes Konzert des "Leipziger Streichquartetts"

Der Kammermusikabend mit dem Leipziger Streichquartett am Sonntag im Zornedinger Martinstadl war überschrieben mit einer Zeile aus einem Gedicht von Hermann Hesse: "... allem Anfang wohnt ein Zauber inne...". In diesem Fall wohnte dem Anfang aber zunächst ein hohes Tempo inne. Die Musiker des Quartetts, 1988 gegründet und auf allen Konzertpodien der Welt gefeiert, hatten es eilig, wie man später erfuhr. Daher fielen die Pause und auch die Zugabe ungewohnt kurz aus. Vor allem beim ersten Stück des Abends, dem Streichquartett in G-Dur op. 1, Nummer 4 von Joseph Haydn, legten die Vier unvermittelt los, kaum dass sie die Bühne betreten hatten: Das Ungestüm der Jugend, könnte man meinen, wurden doch lauter Frühwerke gespielt.Der Zauber stellte sich dennoch ein. Denn was dieses Ensemble auszeichnet, sind die leuchtende Klarheit und Durchsichtigkeit der Stimmen, auch bei Sätzen von hoher Klangdichte und komplexer Rhythmik ist jeder einzelne Part hörbar. Selbst in den temporeichsten Passagen wird jeder Ton auserzählt. Conrad Muck und Tilman Büning, Violinen, Ivo Bauer, Viola, und Matthias Moosdorf, Violoncello, lassen ihre Instrumente je nach Charakter des Stücks schweben, singen, flüstern, trauern, spotten - ihr Repertoire an Klangfarben ist schlicht beglückend.Haydns fünfsätziges Quartett entstand vor 1757, der Komponist war da knapp 25 Jahre alt. In seinem ersten Werkverzeichnis werden seine frühen zehn "Divertimenti a quattro", zu denen das aufgeführte gehört, noch als "Freiluftmusik" bezeichnet. Es hat den Charakter höfischer Unterhaltungsmusik, wie es im Programmheft heißt. Die Leipziger bezaubern hier mit einer Interpretation, die an eine Tanzkapelle erinnert. Beim Trio sieht man sie vor sich, die hochwohlgeborenen Herrschaften beim Sommerfest im Schlossgarten, wie sie, von einem furiosen Lauf außer Atem geraten, wieder in gemessene, elegisch angehauchte Schritte verfallen.Ein spektakulärer Kontrast dazu ist das 1905 entstandene Streichquartett von Anton Webern. Es hat keine Sätze, sondern drei Teile, und wurde zum einen inspiriert von einem Gemälde des Malers Giovanni Segantini, dessen "Alpentriptychon" Webern in der Neuen Pinakothek in München gesehen hatte, zum anderen von einem Vers des frühbarocken Dichters Jakob Böhme über Tod und Neubeginn.Die Naturstudien des Malers sind entstanden in St. Moritz und tragen den Titel Werden, Sein und Vergehen. Das erste Bild zeigt ein Hochplateau in der untergehenden Sonne. Im Zentrum stehen Mutter und Kind. Für Segantini stellte das Bild " das Leben aller Dinge dar, die ihre Wurzeln in der Mutter Natur haben." "Sein", das zweite Gemälde, zeigt Menschen und Tiere im Hochgebirge auf ihrem Heimweg. Auf dem dritten Bild, "Vergehen", ist gerade Winter, die Jahreszeit, in der die Natur stirbt. Ein totes Mädchen wird aus einer Hütte getragen. Wie Webern diese drei Stadien der Existenz in Klangbilder übersetzt hat, die Majestät der Berge, das Steigen, die Stille der Gipfel, aber auch die Freude an der Natur, ist großartig - und wurde vom Leipziger Streichquartett großartig musiziert, innig, ergreifend, klangfarbenreich und mit abschließendem "moriendo", jedem ersterbenden, verhauchenden Ton, bei dem man als Zuhörer den Atem anhält.Auf den Tod folgte neues buntes Leben: Mozarts Streichquartett Nr. 13 in d-Moll, KV 173. Als er das Werk komponierte, war er 17. Bemerkenswert sind das hinreißende Andante grazioso und der abschließende in Form einer Fuge geschriebene Satz, der Ideenreichtum und kompositorische Eleganz schon des jugendlichen Mozart offenbart. Auch hier zeigten die Leipziger ihre Fähigkeit, gleichzeitig lustige Musikanten und ernsthafte Virtuosen zu sein.Als Dmitri Schostakowitsch 1938 sein erstes Streichquartett schrieb, war er bereits 32 - nicht mehr ganz jung zwar, aber ein Anfang war es auch, einer mit betörendem Zauber. Er selbst beschrieb sein Werk als heiter, lustig und lyrisch. "In meinem ersten Streichquartett sollte man nicht nach Tiefgründigkeit suchen". Die Leipziger gewannen seiner Musik Leichtigkeit und Tiefe ab - Volksliedhaftes, Orientalisches, Groteskes. Sie spielten mit Witz und zuweilen herrlich animalischer Wucht.Der Eile zum Trotz erklatschte sich das Publikum im voll besetzten Martinstadl eine Zugabe, einen Choral von Johann Sebastian Bach: "Der Tag ist hin, die Sonne gehet nieder." Die Musiker spielten den wunderschönen Satz zart und innig wie ein Gebet - da war die Sonne gerade untergegangen, und weg waren auch sie.

Rita Baedeker, Zorneding

Cellesche Zeitung, 20. Oktober 2016

Rollentausch beim „Jagdquartett“
Das Leipziger Streichquartett begeisterte bei seinem Auftritt im Schlosstheater: (von links) Conrad Muck (1. Violine), Tilman Büning (2. Violine), Matthias Moosdorf (Violoncello) und Ivo Bauer (Viola). Foto: Alex Sorokin
Sinnlichkeit und Empfindungswärme strahlte das Leipziger Streichquartett aus, als es am Mittwoch mit Mozarts „Jagdquartett“ (KV 458) das zweite Abonnementskonzert des Kammermusikrings im Schlosstheater eröffnete. Conrad Muck (1. Violine), Tilman Büning (2. Violine), Ivo Bauer (Viola) und Matthias Moosdorf (Violoncello) präsentierten das Stück in einer perfekten Balance zwischen Detail und großer Form.
Straffe Tempi sorgten für klare Proportionen. Und bei aller vitalen, berauschenden Klangschönheit kam auch die kühle, strenge Seite der Komposition nicht zu kurz. Zur erlesenen Balance traten Konturenschärfe, Farbenpracht und ungemein sublime Differenzierungskunst. Das alles mit innerer Gelöstheit und einem berückenden Wohlklang. Dazu – etwa im „Allegro assai“ – diese ungemein klangfüllig-kraftvolle Art des Musizierens. Schöner kann Quartettspiel kaum klingen.
Doch während bei Mozarts „Jagdquartett“ – hofgesellschaftlich gesehen – in doppelter Hinsicht noch alles harmonisch ablief, wurden beim nachfolgenden „Jagdquartett“ des zeitgenössischen Komponisten Jörg Widmann die Perspektiven gewechselt und die Rollen vertauscht. Da drehten die Tiere in einer mitreißenden Parodie den sprichwörtlichen Spieß um, wurden selbst zu Jägern und machten die Jäger zu Gejagten. Und wie! Da zerriss die Haut, da brachen die Knochen, da spritzte das Blut. Klangbildlich gesehen. Bis hin zum tierischen Halali wurde das Publikum Zeuge eines fantastischen experimentellen Umgangs mit neuen Ausdrucksgesten, eines quasi impressionistischen Erkundens neuer Klangbilder. Es war fantastisch, zu erleben, wie souverän und mutig sich die Interpreten abseits gewohnter instrumentaler Pfade auf eine Musik einließen, die sich vom klassischen Klangideal der Streichinstrumente sehr, sehr weit entfernt hat. Ein mitreißendes Wechselspiel von abstrakt freitonalen Kompositionen und rhythmisch aufgeweckten Arrangements mit neo-klassizistischen Elementen, dargeboten mit großer Kraft und einer Dynamik, deren Intensität der virtuosen Extravaganz der Leipziger zugute kam. Viel Stoff für die Pausengespräche, bevor mit dem a-Moll-Streichquartett (op. 51/2) von Brahms wieder die traditionellen kammermusikalischen Hörgewohnheiten bedient wurden. Vor allem die leisen introvertierten Töne des „Andante moderato“ boten einen lyrisch empfindsamen Kontrast zur zuvor erlebten expressiven „Neuen Musik“, zumal auch Brahms’ Hang zur Schwermut mit hineininterpretiert wurde, ohne jedoch diese illustre emotionale Schwelgerei mit düsterem Pathos zu überladen. Pointenreich wiederum die Wechsel an dynamischer Bewegtheit im „Allegretto vivace“. Und auch das Finale mit seinem „dolce“-Seitenthema und den akkordischen Höhepunkten wusste Kopf, Herz und Gemüt des Publikums auf einnehmende Weise anzusprechen. Wie gesagt: Schöner kann Quartettspiel kaum klingen.

Rolf-Dieter  Diehl

Badische Zeitung, 21. Oktober 2016

Berührende Ruhe

Leipziger Streichquartett mit Gästen in Weil am Rhein.

Zu Beginn des Konzertes in der evangelischen Kirche in Altweil im Rahmen des Markgräfler Musikherbstes erklang das Siegfried-Idyll Richard Wagners (WWV 103, 1870). Das Leipziger Streichquartett, artist in residence des diesjährigen Reihe, hat das Werk, das Wagner für Kammerorchester instrumentiert hatte, sehr passend für vier Streicher bearbeitet. Ihre wohltuende Spielweise, mit sanften Bogenbewegungen, wenig Vibrato und perfekter Intonation, ließ die modulierende Akkordstruktur des Werkes bestens verfolgen. Die Ruhe, die dieses Werk ausstrahlte, war repräsentativ für die Atmosphäre des ganzen Abendprogramms.
Bei den Kindertotenliedern Gustav Mahlers (1901-1904) über Texten von Friedrich Rückert trat die Litauer Sopranistin Viktorija Kaminskaite, die seit acht Jahren viele Hauptrollen im Opernhaus Leipzig singt, hinzu. Im Halbkreis hinter den Musikern stehend, fügte sie sich mit ihrer warmen, lyrischen Stimme wie ein Instrument bestens ein. Angepasst an Mahlers Musik sang sie mit melancholischem Wohlklang, emotional und poetisch vom Wort her, aber auch mit innerer Dramatik, zum Beispiel am Schluss des fünften Lieds "In diesem Wetter, in diesem Braus", wo Mahler intensiven Ausdruck verlangt. Die Resonanz der Zuhörer auf dieses ausdrucksstarke Lied war im Raum spürbar.
Nach der Pause folgte Max Regers Klarinettenquintett A-Dur op. 146 (1915) mit dem Klarinettisten Karl Leister. Leister war 34 Jahre lang Solo-Klarinettist bei den Berliner Philharmonikern unter Herbert von Karajan und verfolgt seit vielen Jahren eine internationale Karriere als Solist. Das geschmeidige Spiel des 79-Jährigen, mit Legatobögen und einem innerlichen Ton, war für das Spätwerk Regers adäquat und passte perfekt zu dem des Streichquartetts; bei allen Musikern herrschte eine ausgeglichene, eher leise Dynamik sowie sanfte Tonanfänge und -schlüsse. Die Haltung des viersätzigen Werkes, bis auf kurze aufbrausende Momente am Anfang des zweiten Satzes und in zwei Variationen des Finalsatzes, war introvertiert. Auch auf dieses Werk reagierte das Publikum sichtlich berührt. Nach dem Schlusston gab es zunächst lange atemlose Stille, bevor der wohlverdiente Applaus losbrach und allen Musikern bunte Herbstblumensträuße überreicht wurden.

  

Leipziger Volkszeitung, 18. Oktober 2016
Frühwerke aus unterschiedlichen Epochen
Leipziger Streichquartettim Gewandhaus

Die Herren vom Leipziger Streichquartett haben sich diesmal hauptsächlich Frühwerke auf die Pulte gelegt. Wobei sich hier eine gewisse Spanne auftut: Während Mozart schon als Jugendlicher Streichquartette komponierte, fand Schostakowitsch erst mit Anfang 30 zur Gattung. Haydn und Webern komponierten die Werke, die an diesem Abend im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses erklingen, in ihren 20ern.

Mit viel Blick für die Details gestalten die Musiker in der Kammermusik-Reihe des Gewandhauses Haydns Streichquartett G-Dur Hob. III:4. Im Stehen gespielt, wirken das einleitende und das finale Presto sehr lebendig. Vor allem im abschließenden Presto sind mit den Akzenten und den Synkopen Stärke und Leichtigkeit sensibel ausbalanciert.

Für ein paar Lacher sorgt der liebliche Adagio-Satz, denn Tilman Büning (Violine) verschwindet aus dem Blickfeld, um hinter der Wand die gut getimte Echo-Violine zu geben. Wunderschön formt hier der neue Primarius Conrad Muck (Violine) die abfallenden Intervalle zu klangprächtigen Seufzern. Die Startsignale zu neuen Abschnitten gibt er mit kräftigen Atmern.

Von Haydns Quartetten ließ sich auch der junge Mozart inspirieren, unter anderem zur viersätzigen Anlage seiner Streichquartette. Das Besondere am d-moll-Quartett KV 173 ist aber sein Mollcharakter. Stürmische Episoden lassen die Leipziger Streicher mit markanten Tonrepetitionen und Unisono-Stellen abwechseln, bis sich alle Stimmen in der abschließenden Fuge verflechten.

Bei Webern und Schostakowitsch zeichnet sich das Frühwerk unter anderem dadurch aus, dass die Kompositionen der Tonsprache vorangegangener Komponistengenerationen noch nahe stehen – im Gegensatz zu den eigenen, bisweilen deutlich radikaleren Werken aus späterer Zeit. So ist gerade die Tonalität bei Weberns Streichquartett (1905) weit ausgereizt – aber Zwölftönigkeit noch nicht in Sicht. Das Werk beginnt fragend, verdichtet sich mehr und mehr, zerfällt wieder und fängt sich in gediegenen Melodien. Die Herren packen an den richtigen Stellen zu und lassen die Musik mit viel Ruhe in den Motivwiederholungen ausklingen.

Schostakowitschs erstes Streichquartett C-Dur wird motorisch von den Tonrepetitionen angetrieben, die dem ersten Satz etwas Rastloses verleihen. Matthias Moosdorf unterstützt die fortwährende Bewegung ab und an von unten mit einem sonoren Cello-Puls. Die Stunde der Viola (Ivo Bauer) schlägt im zweiten Satz, wo Bauer die von Schostakowitsch bewusst volkstümlich gehaltene Melodie warm ausspielt, bald begleitet vom gezupften Cello.

Nach Schostakowitschs Schlussritt, zügig im Tempo und dicht instrumentiert, wirken die Musiker dann doch fast erschöpft.

 

Schwäbische Zeitung, 24. August 2015

Salem sz Auch wenn derzeit über den Auftritten des Leipziger Streichquartetts wie ein Damoklesschwert das ungewisse Schicksal seines Primarius Stefan Arzberger schwebt, ist die Konzertmatinee am Sonntagmorgen, das dritte Konzert im Reigen des diesjährigen Mozart Sommers Schloss Salem, zu einer musikalischen Sternstunde geworden.

Cellist Matthias Moosdorf begrüßte die Zuhörer im Kaisersaal bei „einem der schönsten deutschen Festivals“ und stellte den Geiger Conrad Muck vor, der seit Mai ihren Primarius vertritt, der noch immer in den USA festgehalten wird und auf seinen Prozess wartet. Conrad Muck – zwanzig Jahre lang Primarius des Berliner Petersen-Quartetts – ist ein hochkarätiger Konzertgeiger, der in aller Welt konzertiert, Meisterkurse gibt und als Juror internationaler Musikwettbewerbe tätig ist. Dazu muss man nicht seine Künstlerbiografie nachlesen, dazu musste man nur in Salem zuhören, wie er solistisch brillierte und wie er zugleich sich ganz selbstverständlich ins Quartett fügte, als gehöre er seit jeher dazu. Und das in einem Programm, das zuweilen schlicht den Atem raubte.

Wahrer Geschwindigkeitsrausch

Nur eine graziöse Fingerübung war eingangs Haydns Streichquartett op. 1 Nr. 4. Ein bezauberndes Spiel mit Crescendi und Diminuendi, mit Echowirkungen, eine feine poetische Idylle im Adagio, ein helles Zwitschern, ein fröhliches Tänzchen, das ein Lächeln auf die Gesichter von Musikern und Zuhörern zauberte, zuletzt ein wahrer Geschwindigkeitsrausch.

Welch ein radikaler Kontrast war da Beethovens kühne „Große Fuge“ B-Dur op.133, ein Werk, das die Zeitgenossen des ertaubten Musikers als monströs ansahen und das in seiner Gegensätzlichkeit auch heute noch chaotisch anmutet. Waren das wirklich nur vier Musiker, die mit Macht einen unwiderstehlichen Sog schufen, die wie eine alles niederwalzende Maschinerie voranstürmten und nach plötzlichem Stillstand und dem Einsetzen einer friedvollen Melodie erneut unerbittlich weiterstrebten? Trotzige Gegensätze, ein Aufbäumen und dennoch in dramatischen Steigerungen eine Kraft durchscheinen lassend, die über dem Chaos steht. Atemlos folgte man dem grandiosen Spiel, das einen ganz anderen Beethoven zeigte.

Nach der Pause kam erneut ein radikaler Wechsel, diesmal zu einem Schwelgen in melodiöser Klangfreude, in zauberhaftem Spiel: In Amerika hat Antonin Dvorak sein berühmtes Streichquartett F-Dur op. 96, sein „Amerikanisches“, geschrieben und in ureigener Musiksprache die Anregungen durch amerikanische Musik einfließen lassen. Der Melodienreichtum kündigt sich bereits in den ersten Takten an, schwelgerisch loten die Instrumente ihre Variationsmöglichkeiten aus, immer neu schwingen sich in beseeltem Musizieren die Themen auf, lyrisch oder beschwingt, einfach zum Atemanhalten schön.

Christel Voith

 

Neue Zürcher Zeitung, 07. August 2015

...angekündigt war der Auftritt eines der angesagtesten Streichquartette der Welt. Das Publikum strömte scharenweise in den Park der Villa Schönberg in Zürich Enge, so dass die Stühle und Zusatzbänke nicht ausreichten, um alle Angereisten aufzunehmen. (...)Das Streichquartett in Es-Dur aus Joseph Haydns Opus 1 bildete einen idealen Einstieg. Dass es sich um ein Frühwerk des Komponisten handelt, erkennt man am lockeren Divertimento-Charakter und an der häufigen Stimmkoppelung von Bratsche und Violoncello. Keck, plastisch und ohne übertriebene Aufladungen gaben die Musiker das heitere Werk wieder.
(...) Zum Höhepunkt geriet das A-Dur-Streichquartett op. 41/3 von Robert Schumann, welches das ursprünglich vorgesehene zweite Quartett von Borodin ersetzte.
Bei diesem Streichquartett, in dem sich Schumann mit der kontrapunktischen Tradition auseinandersetzt, zeigten sich die Qualitäten der Leipziger auf das Beste. Im langsamen Satz mit seinen auf alle Stimmen gleichmässig verteilten Melodien erreichten die Musiker eine unvergleichliche Ausgewogenheit und Wärme des Spiels (...) . Einen wirkungsvollen Gegensatz zu Schumann bildete das brillante D-Dur-Streichquartett op. 44/1 von Felix Mendelssohn (...) .

Thomas Schacher

Rheinische Zeitung, 13. November 2014

Echte Traumformation

Außergewöhnliche Besetzungsvielfalt war angesagt beim dritten Saisonkonzert der Kunstfreunde Wiesloch, zu dem das Leipziger Streichquartett mit dem Pianisten Christian Zacharias und dem Kontrabassisten Alois Posch gleich zwei prominente Musikerfreunde als Partner in den Palatin mitgebracht hatte.

Wie exemplarisch die Leipziger nach mittlerweile 26 Jahren Ensemblejarriere für künstlerische Kontinuität auf höchstem Niveau stehen, unterstrich schon ihre bezwingend genau und subtil ausdifferenzierte Wiedergabe von Beethovens eher selten zu hörendem "Harfenquartett" Es-Dur op. 74. Das besondere lyrische Kolorit diese s gerne unterschätzten Stückes kam vor allem im schwelgerische kantablen As-Dur-Adagio und im fein pointierten Variationenfinale erlesen schön zur Entfaltung. Auch der satt aufblühende Kopfsatz und das knackig-viruose c-Moll-Scherzo gelangen perfekt.

In Dvoráks prachtvollem G-Dur-Streichquintett op. 77 gebührte die Aufmerksamkeit nicht zuletzt dem wunderbaren Alois Posch Delikatere Töne als der ehemalige langjährige Solobassist der Wiener Philharmoniker kann man dem tiefsten Streichinstrument wohl kaum entlocken - ein ebenso rarer wie unerwarteter Genuss. Zusammen mit den erneut makellos klangsensiblen Leipzigern machte er Bilderbuchwerbung für den trotz aller Ohrwurmqualitäten eher wenig bekannten Viersätzer, der an diesem Abend in reichsten melodischen und tänzerischen Farben leuchtete.

Wenn es ungetrübtes Schubert-Glück gibt, dann erlebte man es nach der Pause bei der an liebevoller Detailarbeit und sublimer Spielfreude kaum zu übertreffenden Darbietung des einsam populären "Forellenquintetts" D 667. Den Konzertbesuch gelohnt hätte allein schon die unerschöpfliche Nuancierungskunst von Christian Zacharias, dessen wahrhaft kammermusikalisches Klangverständnis einmal mehr interpretatorische Maßstäbe setzte.

Seine Partner aus Leipzig und Wien waren ihm in jeder Hinsicht ebenbürtig. Das Wieslocher Publikum begegnete hier einer echten Traumformation, die in der langen Aufführungsgeschichte des Werkes fraglos einen Spitzenplatz beanspruchen darf. Schade nur, dass trotz anhaltender Ovationen keine Zugabe mehr folgte: Eine Wiederholung des selten erquickender wirkenden Variationensatzes wäre denn doch zu schön gewesen.

Klaus Roß

Die Oberbadische, 06. Oktober 2014

Gedanklich ungeheuer anregend

Grenzach-Wyhlen. „Das Leipziger Streichquartett spielte, als wäre es soeben vom Musikerolymp herabgestiegen. Es lieferte ultimative Interpretationen, die von den Komponisten höchstselbst als posthume Idealform ihrer klingenden Botschaften abgesegnet schienen.“ Mit solchen oder ähnlichen poetischen Superlativen könnte man das Gastspiel des Ensembles in der Evangelischen Kirche Grenzach beschreiben. Damit wäre alles gesagt. Oder auch nichts.
Interessant wird es jenseits der Schwärmerei für das Spiel von Weltklasseensembles, wenn man nach den Unterschieden zu anderen Spitzenensembles fragt. Das Leipziger Streichquartett mit Stefan Arzberger (1. Violine), Tilman Büning (2. Violine), Ivo Bauer (Viola) und Matthias Moosdorf (Violoncello) wählte für sein Konzert im Rahmen des Markgräfler Musikherbstes ein Programm, das hierfür aussagefähig war.
Zunächst bot Mozarts Streichquartett d-Moll, das einzige in Moll, eine äußerst vielgestaltige Vorlage, bei der sprechende Artikulationen auf ganz natürliche Weise den Aussagekern zu transportieren schienen. Fern jeder bloß mechanischen Herangehensweise wurde so etwa im Andante eine trügerische Idylle lebendig, konnte man im Menuett herrlich ein- und ausschwingende Phrasen erleben oder sich im Variationsfinale bei den köstlich inszenierten Auftaktakzenten amüsieren. Dass sich der Primarius Stefan Arzberger mit seiner Stimme beinahe bis zur Selbstverleugnung in den Gesamtklang integrierte, durfte man als überzeugenden Umgang mit Mozarts Stil wahrnehmen.
Zur Komposition seines Streichquartetts A-Dur op. 41, Nr. 3 motivierte sich Robert Schumann mit einem analytischen wie kreativen Blick auf die Quartette von Haydn, Mozart und Beethoven. So setzte er formal auf traditionelle Formen, füllte diese jedoch mit neuen, oft poetisch schwelgerischen Inhalten. Auch bei Schumann setzten die Leipziger, wenngleich nachdrücklicher, auf sprechendes Spiel. So entstanden etwa im Assai agitato ein ruheloses aufgewühltes Pochen oder im Dialog zwischen 1. Violine und Viola des Adagio molto ein mystisches Gewebe. Das charakteristisch sperrige wie tänzerischen Finale wurde immer wieder durch ungestüme Figuren des Florestan bestimmt.
Mit Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett D-Dur op. 44, Nr. 1 wurden weitere Charaktere und Farben lebendig: So im Molto allegro vivace das fiebrige Flirren einer lauen Sommernacht oder im Menuetto ein traumhaft inniglicher Klang, der das einzig denkbare Gegenstück zur melodischen Gestalt darzustellen schien. Beim Finale schließlich durfte man auf eine bis dahin vermisste durchgängige Motorik hoffen. Allein in diesem Punkt wurde man enttäuscht. Die Leipziger nutzen jede Gelegenheit zur maximalen Klangentfaltung im Dienste kleinster Gestaltungsdetails. Jedem Ton und jedem Motiv wurde die Zeit zugestanden, die zur Entstehung optimaler Charakteristik nötig war. Damit entstandene zwar allzeit wunderschöne nachdrückliche Momente. Charaktere, die jedoch von durchgängiger, ja von einer bisweilen unerbittlichen Motorik und spitzeren Artikulationen abhängig sind, kamen damit zu kurz. Anders ausgedrückt: Die von den Leipzigern gebotene Spielkultur bewegte sich auf höchstem Niveau. Manche Farben jedoch sind dem langjährigen Reife- und Sondierungsprozess dieses Ensembles zum Opfer gefallen.
Das klangsinnliche wie gedanklich ungeheuer anregende Konzert wurde mit frenetisch erklatschten Zugaben von Bach und Wagner, zweier weiterer Leipziger, abgerundet.

 

Tagblatt Online, 24. Januar 2014

Mozart und Beethoven auf Leipziger Art

WARTH. Beide Werke haben die Hörgewohnheiten ihres damaligen Publikums herausgefordert: Mozart bezeichnete seine sechs dem verehrten Kollegen Joseph Haydn gewidmeten Streichquartette als «Frucht langer Arbeit», das C-Dur-Quartett KV 465 hat solch eine harmonisch dichte Einleitung, dass es gar den Beinamen «Dissonanzen-Quartett» erhielt. Für uns Heutige sind diese Spannungsklänge nichts Aussergewöhnliches mehr, aber im schlackenlosen Spiel des Leipziger Streichquartetts kann man sie sich wieder einmal ganz bewusst machen. Seit 25 Jahren gibt es das Ensemble, bis auf einen Wechsel am ersten Pult vor fünf Jahren spielen die vier in unveränderter Besetzung mit gleichbleibend hoher Qualität, musizieren in selbstverständlicher Gelassenheit und doch in jedem Ton wach und neu belebt.
Licht und Schatten
Das hört man bei Mozart, wo alles so offen daliegt, in der feinen, aus dem Nichts kommenden Tonentwicklung, im sparsamen Vibrato der Einleitung, in den Dialogen, die leicht, aber nie leichtgewichtig klingen. Im Andante cantabile blüht Stefan Arzbergers Violine in einer innigen und schön verzierten Arie auf, gestützt von den Pendelfiguren des Cellisten Matthias Moosdorf und umspielt von den Mittelstimmen Tilman Bünings an der zweiten Violine und dem Bratschisten Ivo Bauer. Bei aller freundlich beschwingten Tanzlaune im Menuett und dem kraftvollen Treiben des Finales tun sich, wie oft bei Mozart, Licht und Schatten auf, klar herausgearbeitet und gestochen scharf.

Dann ein Koloss zur Mittagszeit: Beethovens Grosse Fuge, ursprünglich der Finalsatz des B-Dur-Quartetts op. 130, später herausgelöst aus dem Quartettverbund und nicht weniger rätselhaft, komplex, wahrlich un-erhört. Die Leipziger meisseln die ausladenden Themen, die Intervalle, die Chromatik so klar heraus, dass alles fast einfach erscheint. Im filigranen Zwischenspiel fühlt man sich dem Himmel ganz nah, und selbst in der enormen Verdichtung des Schlussteils bleibt das Spiel der Musiker transparent.
Wuselnde Zwischenteile
Nach der Pause hatte das Leipziger Streichquartett, das übrigens auch vom verstorbenen Maestro Claudio Abbado ins Lucerne Festival Orchestra eingeladen wurde, eines der Quartette von Johannes Brahms aufs Programm gesetzt. Hier beeindruckte es mit seinem nun wunderbar warmen und runden Klang etwa in den schwebenden, sanften, sich immer wieder wandelnden Fortschreitungen des ersten Satzes. Liedmelodien sind in dichte Begleitung eingebettet, tauchen auf, versinken wieder, geben im langsamen Satz einem aufgewühlten und ausdrucksstarken Mittelteil Raum. Zartes, Duftiges verschleiert den ursprünglichen Charakter des Menuettsatzes, ebenso die wuselnden Zwischenteile, und mit dem kernigen Aufschwung des Finales hat man wieder Boden unter den Füssen erreicht.

Katharina von Glasenapp

Badische Zeitung, 31. Oktober 2012

Eine unvergleichliche Homogenität
Warum die Leipziger Formation als bestes deutsches Streichquartett gehandelt wird, war in ihrer Mendelssohn-Interpretation unschwer zu hören. Da wurde mit einer Tonschönheit, Homogenität und Makellosigkeit in Intonation und Stimmenführung musiziert, wie es wohl nicht mehr zu steigern ist. Atemberaubend, wie Primarius Stefan Arzberger, der zweite Geiger Tilman Büning, Bratschist Ivo Bauer und Cellist Matthias Moosdorf quasi wie mit einem Bogen, wie auf einem Atem spielen. Das Quartettspiel der Leipziger klingt derart homogen, derart perfekt in der Harmonie und Ausbalancierung der Stimmen, so selbstverständlich und geschmeidig zusammenfließend, dass es wie aus einem Guss wirkt. (…) In Mendelssohn-Bartholdys Streichquartett Es-Dur op.44 führte das Ensemble seine phänomenale Streicherkultur vor, ein Höchstmaß an Klangschönheit, an Transparenz und lupenreiner Klarheit der Intonation. Subtil, durchsichtig und fein gesponnen klang die Verdichtung und Auflösung der Stimmen. Mit einer Feinheit sondergleichen wurden die Fugati, die figurenreichen Themen, die flirrenden Passagen im Scherzo, die edle Schönheit des Adagios ausgekostet. Selbst im mit fliegenden Bogen und wirklich „con fuoco” gespielten Finalsatz behielt das Quartett diese unerhörte Leichtigkeit und Transparenz des Klangs bei.
ros (Link)

 
Leipziger Volkszeitung, 16. Juni 2012

Abschweifen ausgeschossen – LSQ mit Romantischem im Alten Rathaus
Solch eine Klangkultur ist schon etwas Besonderes. Von den ersten Noten von Schumanns A-Dur-Quartett an rastet der Ton ein. Er ist von größtmöglicher Homogenität geprägt, ohne dass die vier ihre Individualität verleugneten: Das betörende Timbre der Geige Stefan Arzbergers, die subtil eingewobenen Details seines Sekundanten Tilman Büning, die schlanke Sonorität der Bratsche Ivo Bauers und das warme Cello-Fundament von Matthias Moosdorf. Neben der Perfektion des Zusammenklangs begeistern die vier vor allem durch die pointierte Gestaltung, mit der sie dem Ausdruck der Musik gestochen scharf herausarbeiten. Ohne den strapazierten Konversations-Topos reiten zu wollen: Dem LSQ gelingt im Bachfestkonzert die Suggestion eines tönenden Diskurses, dem der Hörer unweigerlich folgen möchte – weil kluge Gestaltung und Klangschönheit in eins gehen. Der Ansatz den die vier ernsten Herren wählen, ist bisweilen radikal, nie aber beliebig. Abschweifen ausgeschlossen. Wer würde sich da wehren wollen?

Benedikt Leßmann

 
Süddeutsche Zeitung, 11. November 2011

Es war ein überraschender Abend: drei Streichquintette von Beethoven. Wer, so fragten sich viele im Publikum, mochte diese Stücke schon gehört haben, und alle drei wohl keiner. Es war eine Pioniertat des Leipziger Streichquartetts verstärkt durch die Bratschistin Barbara Buntrock, als es im Herkulessaal diese Quintette grosso modo versiert und mit feinem Gespür für Beethovens beziehungsreich verknüpfte Satzkunst darbot: Besonders die jeweiligen langsamen Sätze gelangen den Leipzigern eindringlich, deren Klangvorstellung nicht so sehr von Kraft, virtuosem Glanz und auftrumpfender Klangpracht geprägt ist als vielmehr von intimer Pianokultur und einem nach innen gerichteten sanften Mischklang … Die Leipziger riskierten mit Erfolg äußerstes Tempo für ein hellwaches Instrumental-„Gespräch”. Großer Beifall, als Zugabe eine Bach-Fuge.

Harald Eggebrecht

 
Leipziger Volkszeitung, 5. Oktober 2010
Ein einsames F in der Bratsche, fragend. Fernes Des-Dur strömt in den Raum, die Violine stimmt ihren Gesang an, auf warmen Klängen der anderen getragen. Der langsame Satz aus Beethovens letztem Streichquartett op. 135 gehört zum Schönsten, zum Innigsten, das die Streichquartettliteratur zu bieten hat. Zart, traurig, versöhnlich, von feinen Ornamenten umspielt. Es folgt ohne Erbarmen jener berüchtigte letzte Satz, dessen Motive Beethoven in der Partitur mit einem immer noch rätselhaften Text versehen hat: "Muss es sein? - Es muss sein! Es muss sein!" Gewaltsame Schicksalsakkorde und heiterer Kehraus, sie prallen in diesem Finale aufeinander, ein Rätselstück. Dass sie zukunftsweisend sind, die Beethoven-Quartette, die späten zumal, ist bekannt. Das Leipziger Streichquartett liefert den klingenden Beweis dazu, in einem furiosen Zyklus, dessen erste Hälfte an diesem Wochenende zu erleben war. Schon das erste Stück im proppenvollen Salon des Schumannhauses ist eine programmatische Eröffnung, ein Portal in die weiten Beethoven-Welten. Es ist das fünfte der sechs frühen Quartette op. 18, die nur auf den allerersten Blick noch im klassischen Stil gehalten sind. Wer mag, kann hier in Andeutung die Sprengkraft der revolutionären späten Quartette ersehen. Besonders wenn man es so spielt wie die Leipziger, das Abseitige, das Groteske hervorkehrend, im Menuett, im Variationensatz. Die vier halten das Streichholz an Beethovens, lassen sie, wo immer sie Funken entdecken, explodieren. Dann ist Tonschönheit auch einmal zweitrangig, geht es ums Ganze. Dann skizzieren sie mehr als zu malen. Dann flüstern oder schreien sie. Nicht ohne an anderer Stelle umso schöngeistiger zu musizieren, zu singen. Eine Interpretation, die an der Nachwirkung der Stücke ansetzt, ihr zukunftsweisendes Potenzial betont. Wer dem Leipziger Streichquartett auf diesem visionären Weg folgt, kann die Nachfolger Beethovens hören. Wenn hinter den Noten Brahms' Sentiment durchscheint, Schuberts Klangarchitektur oder Bartóks Furor. Das LSQ trägt nichts von außen an die Musik heran, sondern entdeckt alles bei Beethoven selbst. Im charmanten Harfenquartett. Im ungestümen Quartetto serioso. Im ergreifend schönen Adagio aus op. 127. Quartettspiel auf diesem Niveau ist immer auch eine Studie in Kommunikation. Wenn kurze Blicke oder die Synchronisierung des Atmens genügen, um Korrekturen im Nanobereich vorzunehmen, kleinste Flecken sogleich vergessen zu machen. Flecken, die im Konzert unvermeidbar sind, zumal bei dieser Kühnheit. Wenn dann in Sekundenbruchteilen alles einrastet, Intonation, Intensität, Färbung, ist das beglückendes, tiefes Musikerleben. Besonders, wenn die Dramaturgie so schlüssig ist wie in dieser Reihe, der am nächsten Wochenende mit den zusammengehörigen opera 130 bis 133 noch große Brocken bevorstehen.
Benedikt Leßmann
 
De Gelderlander, Februar 2010

Droomavond vol dynamische romantiek
Warme herinneringen. Honderden concertgangers van de Nijmegse Stichting voor Kamermuziek koesteren ze nog steeds aan het optreden van het Leipziger Streichquartett in 2004. Imponeerden de fameuze strijkers (destijds met een andere eerste violist) in het Pianokwintet van Dvořák (met Christian Zacharias aan het klavier), deze woensdagavond krijgen ze de bijna volle Nijmegse Vereeniging wederom in hun ban. Nu met het pianoduo Tal & Groethuysen achter de toetsen … ze vormen een hechte twee-eenheid. Zes zielen met één muzikale gedachte. Temperament, drive, raffinement, brille: Dit is kamermuziek van het hoogste niveau.
Maarten-Jan Dongelmans

 
Badische Zeitung, 13. Januar 2010

Höhepunkt des 109-Abends ist dann aber doch Max Regers Es-Dur-Streichquartett. Allein weil seine Interpreten – das exzellent aufgelegte Leipziger Streichquartett – Regers kunstvollen Klangmetamorphosen mit größtmöglicher Sorgfalt begegnen. Das Fortspinnen von Motivkomplexen über mehrere Instrumente hinweg entführt den Hörer in einen klanglichen Zaubergarten. Ebenso ergreifend wird Regers Ton dort gepflegt, wo er, wie im Larghetto, jenseits des chromatischen Geflechts Verinnerlichung und Einfachheit suggeriert oder auch am Ende des Presto-Satzes mit seinem sensiblen Auströpfeln im Pizzicato. Dass die Leipziger als eines der ganz wenigen Streichquartette der Gegenwart sich noch auf die Kunst eines dunkel timbrierten, „deutschen” Streicherklangs verstehen, tut Regers Musik besonders gut. Das Publikum spürt’s und applaudiert – weit über 109 Sekunden.
Alexander Dick (Link)

 
Mainpost, 11. Dezember 2009

Einen packenden Auftritt lieferte das Leipziger Streichquartett im sehr gut besuchten Großen Saal der Würzburger Hochschule für Musik … Zu den berührendsten Momenten des Konzerts gehörte der Beginn des Finales von Felix Mendelssohn Bartholdys a-Moll-Streichquartett. Es war von ergreifender Schönheit, wie profiliert der Erste Geiger Stefan Arzberger die rezitativische Melodie über dem Tremolo der anderen drei Musiker gestaltete. Dass es bei aller Detail-Arbeit gelang, die Mendelssohn'sche Großarchitektur anschaulich zu machen, war der wohldurchdachten Interpretation zu verdanken, deren Basis das hervorragende Zusammenspiel war. Das wurde besonders im vorletzten und letzten Satz von Joseph Haydns Kaiserquartett deutlich. Die vier Musiker glänzten in Robert Schumanns A-Dur-Quartett vor allem durch großartige Kommunikation, so dass ihnen fantastische Tempo-Wechsel gelangen, nicht zuletzt im zweiten Satz. Die schwierigen Terzgriffe im Adagio spielte der Zweite Geiger präzise und edel, während sich das Quartett im burschikosen Finale wohlkalkulierter Ausgelassenheit hingab. 
Frank Kupke (Link)

 
klassik.com, 23. März 2009

Trefflich wird der musikalische Diskurs geführt, jede dynamische Konstellation beleuchtet: überzeugender Beleg Joseph Haydns Quartett B-Dur op. 76 Nr. 4. Die bewegte Ausdruckshaltung des langsamen Satzes und die rhythmisch pulsierenden Ecksätzen gehören zu den schönsten Momenten dieser Interpretation … Mit vorwärts drängender Bewegung spielen die Musiker die Themeneinsätze in fiebriger Atmosphäre. Da spürt man die pulsierende Spannung in der Klanglandschaft von Mendelssohns Spätwerk. Im 'Adagio' kommen zu den resignativen Gesten träumerische, liedhafte Töne. Das Finale des Schwanengesangs, den Mendelssohn nach dem Tod seiner Lieblingsschwester Fanny schrieb, ist von expressivem Feuer durchglüht, wuchtig, voll gespannter Kraft, erwärmend in der Grundtönung, fein abgestuft in der Dynamik – ein energischer Griff nach Mendelssohn. Den großen Gipfelsturm auf die Eisriesen der späten Quartette von Ludwig van Beethoven wagte das Leipziger Team mit dem a-Moll-Brocken op. 132. Nirgends wurde der natürliche Strom der Musik, der ja auch in diesem vergeistigten Spätwerk das Entscheidende bleiben soll, durch überzogenes interpretatorisches Kalkül in Frage gestellt. Auch bei rasanten Tempi blieb keine Einzelheit auf der Strecke. Die Wiedergabe besaß Nachdrücklichkeit, Intensität und Gewicht. Fabelhaft gelangen der wunderbar ausgespielte 'Heiliger Dankgesang eines Genesenden an die Gottheit', das energisch durchgeformte 'Alla marcia' des vierten Satzes und die fulminant hoch wirbelnde Final-Stretta.
Egon Bezold (Link)

 
Neue Westfälische, 27. Januar 2009

Bravorufe übertönten den lebhaften Beifall im vollen Saal. Mit Spitzenwerken des Repertoires bewiesen die vier Musiker ihre nur schwer zu überbietende Meisterschaft. Analytischer Scharfsinn, ausgefeilte Technik und eine Sensibilität, die den selbstvergessen Lauschenden die seelischen Dimensionen der Musik erschließt, machen das Spiel der Musiker aus Leipzig zum Erlebnis. Der geschmeidigen musikalischen Sprache Haydns mit ihren fein verwobenen Motiven verliehen sie lebendige Präsenz. Nuancenreich gelang die Darstellung der Balance von Licht und Schatten, von Grazie und Feuer, die Mendelssohns Jugendkompositionen auszeichnet. Kein Detail eines kompositorischen Einfalls als unwichtig vernachlässigend, realisierten die Interpreten mit außerordentlichem Sinn für Differenzierung die lückenlose Darbietung kontrastierender Stimmungen und Farbschattierungen. Was ihren fesselnden, energiegeladenen Vortrag auszeichnet, ist die Spielkultur, mit der sie sich dem Ideal eines Gleichgewichts der Stimmen annähern. Der lebendige, durchartikulierte Klang ließ die Tiefe und die Hintergründigkeit der beziehungsreichen Gedanken in Beethovens Quartett op. 59/3 spürbar werden. Rückhaltlose Expressivität gab der großen Fuge des letzten Satzes unwiderstehliche Wucht. 
Christine Longère

 
Badische Neueste Nachrichten, 17. November 2008

Ein gern gehörter Gast bei den Konzerten der Karlsruher Kammermusikfreunde ist das Leipziger Streichquartett … Der begeisterte Jubel, der sie in die Pause entließ, war hochverdient. Das Leipziger Streichquartett bestätigte wiederum seinen herausragenden Rang, neben der traumhaften Harmonie stachen besonders die Höhensicherheit der 1. Violine und der satte Klang des Cellos hervor. Die musiker bedankten sich mit der Kavantine aus Beethovens Streichquartett op. 130 für den enthusiastischen Applaus. 
Manfred Kraft

 
Mitteldeutsche Zeitung, 16. Oktober 2008

Es ist außergewöhnlich, wenn überbordende Musikalität, fundierte Technik und höchste Lust am Aufspüren interpretatorischer Tiefen mit sympathischer Ungezwungenheit und stilsicherer Selbstverständlichkeit gepaart sind. Diese Attribute hatte das Leipziger Streichquartett auf sich vereint … Das musikalische Gespräch wirkte zuweilen ekstatisch anregend, aber immer im Konsens … Einfach atemberaubend … Diese vier jungen Musiker des Leipziger Streichquartetts mit ihrem neuen Primarius Stefan Arzberger sind Weltklasse.
Erhard Hellwig

 
Berliner Morgenpost, 21. Mai 2008

Im vergangenen Jahr hatte das Berliner Artemis-Quartett zwei schmerzhafte Abgänge zugleich zu beklagen. Und nun das: Auch ihre Kollegen vom Leipziger Streichquartett hat es erwischt. Inmitten der Feierlichkeiten zum 20jährigen Dienstjubiläum warf Primarius Andreas Seidel das Handtuch. Doch während man bei den Artemis-Leuten noch nicht so recht weiß, wohin sie sich musikalisch entwickeln werden, bleibt bei den Leipzigern alles beim Alten. Mit dem Neuzugang Stefan Arzberger pflegen sie weiterhin ihre Leipziger Quartetttradition, die gänzlich auf Geschlossenheit und Klangschönheit ausgerichtet ist. … Hintergründiger Spielwitz und abgeklärte Gelassenheit veredelten Beethovens Abschiedswerk. In der zweiten Hälfte des Beethovenabends schwangen sich die Leipziger zu einer interpretatorischen Höhe auf, wie man sie nicht einmal von ihren besten Aufnahmen kennt. Das revolutionäre Gestrüpp des „russischen” Quartetts Op. 59 Nr. 3 durchdrangen sie mit ungewohntem Feuereifer, hemmungsloser und unmittelbar packender Spielfreude.
Felix Stephan

 
Bonner Generalanzeiger, 28. März 2008

Eigentlich sollte das Konzert des Leipziger Streichquartetts im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses der Auftakt zu einem Zyklus mit allen Quartetten Ludwig van Beethovens sein. Anlässlich des 20jährigen Jubiläums der vielfach als „bestes deutsches Quartett” apostrophierten Formation hat man geplant, Beethovens Quartette in ihrem musikalischen und historischen Kontext zu spielen, doch wurde der Auftakt zu dieser ambitionierten Reihe, für den es wohl kaum einen passenderen Ort und mit Beethovens Todestag auch Zeitpunkt gegeben hätte, durch äußere Umstände vereitelt. Das Quartett befinde sich zur Zeit im Umbruch, wie Cellist Matthias Moosdorf erläuterte, da Primarius Andreas Seidel, der seinen Abschied aus dem Quartett bekannt gegeben hat, den Beethoven-Zyklus aber noch mitspielt, kurzfristig erkrankt war. So musste man schon in der neuen Besetzung und mit neuem Programm antreten. Stefan Arzberger heißt der neue Mann am ersten Pult des Leipziger Streichquartetts, der sich – dem ersten Eindruck nach zu urteilen – bestens in die Formation einfügt. Auch auf Beethoven musste man nicht verzichten und mit dem F-Dur Quartett op. 135 gab es auch gewiss keine Verlegenheitslösung. Das Spiel des Quartetts, das durch Tilman Büning an der zweiten Geige und Ivo Bauer an der Viola komplettiert wird, überzeugte durch eine superbe Klangkultur auf allerhöchstem Niveau. Beethovens dichten Satz gestaltete man sehr transparent und klar, etwa dritten Satz, der ein schier endloser Gesang von geradezu berückender Schönheit und Intensität war, oder mit subtilsten Abstufungen in der langsamen Einleitung des Finalsatzes. Auch Franz Schuberts Quartettsatz c-Moll (D 703), ein atemloser, aus einem Guss gestalteter Parforceritt, wurde mit Leib und Seele musiziert. Hier bewies auch der neue Primarius viel Einfühlungsvermögen und Mut zum Risiko. Mit Theodor W. Adornos Sechs Miniaturen für Streichquartett spielte man anschließend ein instruktives Beispiel aus dem kompositorischen Schaffen des Hohepriesters der einstigen musikalischen Avantgarde. Das Leipziger Streichquartett rückte Adornos expressive Miniaturen ins beste Licht. Mit dem Streichquartett a-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy gab es nach der Pause ein aufschlussreiches Beispiel des romantischen Beethoven-Rezeption zu hören, das vom Leipziger Streichquartett mit großer Tiefenschärfe und einem das gesamte Werk zusammenhaltenden Spannungsbogen gespielt wurde. Die formale Klammer, die Mendelssohn um sein Stück gesetzt hat, wurde auch in der vorbildlichen Interpretation der vier Musiker nachvollziehbar. Zwischendurch gab es immer wieder Momente höchster künstlerischer Vollendung, etwa den innig gestalteten zweiten Satz oder das blitzsauber gespielte Trio des dritten Satzes. Auch in der neuen Zusammensetzung dürfte das Leipziger Streichquartett zweifelsohne zu der absoluten Spitze in seiner Disziplin gehören.
Guido Krawinkel (Link)

 
de Stentor, 25. Februar 2008
Scelsi? Nooit van gehoord. Tot ik, jaren geleden, in Barcelona in een zijstraat van de Ramblas een dubbel-cd van zijn strijkkwartetten pop de kop kon tikken. De uitvoering door het in moderne muziek gespecialiseerde Arditti Kwartet moest een kwaliteitsgraadmeter zijn. Een intrigerende componist, zo bleek. Spelen in zijn eerste kwartet harmonie en contrapunt nog een zekere rol, in het – in de Deventer Schouwburg uitgevoerde – derde kwartet is hij extreem gefocust op verinnerlijking van de klank, zodat die als het ware implodeert. De eigenaardige, enigszins Oosters aandoende sfeer met micro-intervallen, subtiele variatie in ritme, intensiteit, timbre, tempo en sterkte, realiseerde het Leipziger Streichquartett razend knap en minstens gelijkwaardig aan de Arditti's. Uiterst geconcentreerd, dubbel- en meergrepen en passant meenemend, cirkelden ze geregeld om één toon heen. Het was fascinerend! Even fascinerend en gemakkelijk haalden de muzikanten het beste uit zichzelf boven in het strijkkwartet opus 51, nummer 2 van Brahms en opus 59, nummer 3 van Beethoven. Subliem van toonvorming, in superbalans, transparant, tot in de puntjes verzorgd en toch vol emotionele lading, zonder expressieve overdrijving. Charmant en mild, etherisch, als een intieme confidentie in het andante, vol spirit in de 'zigeunerfinale' (Brahms). Net zo sensibel, harmonieus en levenslustig in Beethovens kwartet. En na de nostalgische recreatie van het rococo-menuet TGV-achtig, zonder van streek te raken in de uitbundige finale. Met een toefje Bach als toegift ging 'die Sonne nieder'. Onmiddellijk weer contracteren deze superartiesten!
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Pamina – Klassik online im Südwesten, 29. Januar 2008
Ein paar Takte Musik vom Leipziger Streichquartett – und die Atmosphäre flirrt. Fordernd und beinahe provokant, als habe man es mit dem leibhaftigen Beethoven zu tun, schleudern sie dem Publikum ihre Musik entgegen und ziehen die Hörer anschließend hinein in die Schönheiten jeder Partitur … Diesen unverblümten, direkten Ausdruck hört man schon in den ersten Tönen; noch sind es angefangene Gedanken, aber sie haben bereits jene unberechenbare Energie in sich, die das gesamte F-Dur-Streichquartett (op. 18/1) ausmacht: urplötzliche Wendungen und erregte Impulse, dazu markante Rhythmen. Man setzt zuerst wohl formulierte, sehr sorgsam abgeschwungene Phrasen und gibt sich im nächsten Moment einer entfesselten Energie hin; sie scheint über die vier genau im Augenblick des Spiels hereinzubrechen. Dem Hörer treibt es dabei den Puls in die Höhe: Musik, bei der man mitfiebert. Dann der Kontrast: Im zweiten Satz bietet sich ein völlig anderes Bild, eine betörende, sich zart aufschwingende Melodie in der ersten Violine, die immer noch von einem leisen Pulsieren bewegt wird und dann sämtliche Stimmen durchzieht – so, als würden alle Gedanken erst daran geschärft. Der ganze Satz bleibt in Bewegung, ganz im sinne eines „Adagio affettuoso”; man hört ein fahles Flimmern, dann helle Gedankenblitze und zarte Gesten, die jäh abreißen. An ein rhythmisch geschärtes Scherzo schließt ein unglaublich wacher, virtouser Lauf, der den letzten Satz zusammenhält: Ein gleichmäßig energetischer Fluss trotz hoch komplexer Figuren, trotz durchbrochener Gedanken. Danach, meint man, ist schon alles gesagt – aber die Musiker des Leipziger Streichquartetts fügen nun die elegante Note hinzu. Beethovens G-Dur-Quartett aus op. 18 wirkt wie ein gut gelauntes Gespräch; man überbietet sich gegenseitig in Höflichkeit und Galanz, aber dennoch bestimmen Klarheit und Bodenständigkeit auch hier die Konversation, obwohl man sich leidenschaftlich den eloquenten Floskeln hingibt. Ein Höhepunkt ist das Adagio: Die vier nehmen das „cantabile” wörtlich und setzen an zu sprechenden, weit angelegten Bögen; diese Bögen öffnen die Konversation und sind eine Inspirationsquelle für ein wachsames und angeregtes Wispern. Auch der zweite Teil des Abends bleibt in dieser erregten Atmospäre: Das D-Dur-Quartett ist ein zugespitztes und dichtes Gespräch, manchmal nachdenklich und lyrisch-versonnen. Einen Augenblick lang wirkt alles zerbrechlich und wird dementsprechend vorsichtig angefasst, im nächsten Moment ist man aufgewühlt, übermütig und stachelt sich an, man jagt sich über lange Passagen hinweg und setzt dann einen überraschend neckischen Schlusspunkt, der beispielhaft ist für all die rasanten Wendungen und Stimmungswechsel: Das Publikum bedankt sich mit lauten Bravos.
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Rhein-Neckar-Zeitung, 19./20. Mai 2007
Das Ensemble ist geradezu ein Musterbeispiel an Beständigkeit und Geschliffenheit – so auch beim Saisonfinale der Gesellschaft der Musik- und Kunstfreunde Heidelberg in der Alten Aula … Das wunderbar durchdachte und kultivierte Ensemblespiel garantierte schon in Beethovens Opus 18/2 schönste Hörfreuden. In ihrem feinen Witz wie in ihrer noblen Lyrik machte diese exquisite Wiedergabe faszinierend klar, dass der frühe Beethoven hier wohl doch eher eine Haydn-Hommage als eine Haydn-Parodie schreiben wollte … Die Interpretation von Béla Bártoks erstem Streichquartett zeigte das ganze Reife Können der vier Meister aus Leipzig: ungemein ausgewogen und farbdifferenziert im Klang, ebenso formbewusst wie detailgenau in der Gestaltung, mit bestem Gespür für werkspezifische Binnenstrukturen und Spannungsverläufe, dazu ohne jeden Zug von Überpointierung oder Effekthascherei. Eine Bartók-Interpretation wie aus einem Guss, die Stilklassizität und Ausdrucksintensität souverän zu verbinden wusste.
Schumanns A-Dur-Quartett op. 41/3 schließlich war bei den Leipzigern von einer duftigen Eleganz beseelt, welche unmittelbar an den Widmungsträger Felix Mendelssohn Bartholdy erinnerte und die besondere Poesie dieses Werkes ergreigend heraus brachte … Mit dem Bachschen Choral „Der Tag ist hin” BWV 447 bedankte sich das Quartett am Ende bei ihrem begeisterten Heidelberger Publikum.
 
KulturSPIEGEL, 2/2007
Es ist vollbracht. Bereits vor seinem 20jährigen Jubiläum im nächsten Jahr hat das Leipziger Streichquartett allen Grund zum Feiern: Auf insgesamt neun Einzel-CDs liegt nun sein kompletter Beethoven-Zyklus vor (MDG). Seit Karrierebeginn hat sich das Leipziger Ensemble mit Beethoven beschäftigt, ist an ihm gewachsen und gereift. Nicht zuletzt durch ihre Beethoven-Interpretationen avancierten die Leipziger zu einer international begehrten Quartettformation. Zwischen der ersten und der letzten Aufnahmesitzung sind über zwölf Jahre vergangen. Eine lange Zeit, doch das Warten hat sich gelohnt. Mit dem Beethoven-Quartett op. 130 und der Großen Fuge op. 133 gelingt den Leipzigern ein krönender Abschluss des Großprojekts (MDG, 2007). Das Hagen-Quartett und das Takács-Quartett haben mit ihren Einspielungen des B-Dur-Quartetts in der jüngeren Vergangenheit Maßstäbe gesetzt (DG, 2002 und Decca, 2004). Neben der ruppigen Direktheit der Hagens und der elektrisierenden Expressivität des Takács-Quartetts wirken die Leipziger eher milde und zahm, doch das täuscht. An Präzision und Leidenschaft stehen sie der Konkurrenz in nichts nach, verfolgen aber ein anderes Klangideal – ein Klangideal, das in der Tradition des Suske-Quartetts und des Gewandhaus-Quartetts zu stehen scheint. Das Leipziger Streichquartett pflegt jenen runden, edlen, obertonreichen Klang, der auch in der höchsten Erregung seine musikalische Substanz behält. Die Akustik der Paul-Gerhardt-Kirche zu Leipzig passt dazu sehr gut. Durch sie erhält die Musik etwas Sphärisches, Weltentrücktes. Der erste Satz mit seinen charakteristischen Adagio-Allegro-Wechseln wird von den Leipzigern kontrastreich und farbenprächtig dargeboten. Während sich in den Adagios Melancholie und Feierlichkeit mischen, entwickeln die freudig erregten Allegros einen unwiderstehlichen Zug. Im dritten Satz beweisen die Leipziger großes Gespür für die überraschenden harmonischen, melodischen und rhythmischen Effekte, mit denen Beethoven jongliert. Elegant und graziös inszenieren sie den stetig durchbrochenen Kompositionsstil. Der fünfte Satz (Cavatina) klingt erfrischend unsentimental. Zum einen wählen die Leipziger ein natürlich fließendes Tempo, das Übersicht und Zusammenhang schafft, zum anderen erzeugen die dunkle Klangfarbe und das innerlich empfundene Espressivo einen würdevoll zurückhaltenden Charakter. Häufig unterschätzt worden ist das nachkomponierte Finale, ein seltsamer Zwitter aus Rondo und Sonatenform. Hinter der Fassade scheinbar formaler Korrektheit verstecken sich immer wieder unglaubliche Brüche, Kontraste und Widersprüche. Dieser von Beethoven so beiläufig wie virtuos inszenierte Auflösungsprozess wird von den Leipzigern vortrefflich erfasst. Mit unschuldig-naivem Charme und humoristischen Untertönen evozieren sie eine heiter-beschwingte, locker-gelöste Atmosphäre. Ursprünglich war allerdings die Große Fuge op. 133 der letzte Satz des B-Dur-Quartetts. Ein weit in die Zukunft weisendes Werk, das immer wieder auf Unverständnis gestoßen ist und bis heute nichts von seiner rücksichtslosen, schockierenden Exzessivität verloren hat. Auch dem geübten Zuhörer der Gegenwart fällt es schwer, sich einen Weg durch das wuchernde Kontrapunkt-Gestrüpp zu bahnen. Das Hagen-Quartett und das Takács-Quartett haben die urwüchsige Wucht und das erhabene Chaos der Fuge in ihren Einspielungen kongenial umgesetzt. Waghalsig schöpfen sie die dynamischen Extreme aus und schrecken auch vor hässlicher Brutalität nicht zurück. Die scharf profilierten Einzelstimmen krallen sich in die Gehörgänge des Rezipienten und verursachen beinahe physischen Schmerz. Die Leipziger dagegen bieten eine vergleichsweise gemäßigte, gesittete Interpretation, die dem Zuhörer die Hand reicht und das Unerklärbare zu erklären versucht. Der Nachhall des Aufnahmeortes unterstützt ihr sinfonisches Klangverständnis und schafft ätherische Distanz.
 
Der Bund (Schweiz), 18. Oktober 2006
Die vier sind im Wortsinn ein eingespieltes Team. Flexible Übergänge, wirkungsvolle Tempoverzögerungen oder ganz frei gestaltete Passagen gelingen, ohne dass man sich deswegen eines Blickes zu würdigen braucht. Zu tief scheint das Einverständnis zu sein, mit dem die vier Streicher die Phrasen gestalten. Gewiss: Die gemeinsame musikalische Herkunft aus der Mitte des Leipziger Gewandhausorchesters, dem drei der vier Quartettmitglieder angehört haben, mag das Ihrige dazu beigetragen haben. Ungleich bedeutender erscheint aber, welchen gemeinsamen Weg die vier Musiker in den nunmehr dreizehn Jahren ihrer freischaffenden Tätigkeit gegangen sind. Primarius Andreas Seidel gibt mit bewundernswertem geigerischem Impetus forsche Impulse, die vom Cellisten Matthias Moosdorf mit kompakten, gestischen Interventionen geerdet werden. Tilman Büning und Ivo Bauer gestalten die Mittelstimmen mit nicht gestisch verstandener Umsicht, stets sachdienlicher Detailverliebtheit und kreativer Unruhe. Dieser Beethoven-Interpretation nimmt man das Aufmüpfige, bisweilen Revolutionäre selbst im Rahmen eines etablierten Kammermusikkonzerts im Berner Konservatorium ab.Was die vier Musiker unter organischem Musizieren verstehen, zeigte sich auch in ihrer Interpretation von Robert Schumanns Quartett A-Dur op. 41 Nr. 3: schlanke Klanggebung, Genauigkeit des Ausdrucks, ohne dass eine Phrase jemals abgezirkelt klingen würde. Alles wirkt so selbstverständlich, ohne dabei seine Bedeutsamkeit zu verlieren. Delikat gedeckte Klänge stehen neben belebend wirkenden, raffiniert verschobenen Akzenten.
 
Bayerischer Rundfunk, CD-Tipp vom 27.4.2006
Die Transparenz, die Klarheit des Tons, die Durchhörbarkeit der Struktur, das Verständnis für die unterschiedlichen Anforderungen intellektueller und künstlerischer und emotionaler Art der unterschiedlichsten Komponisten aus den unterschiedlichsten Zeitaltern und ihr Vermögen, das dann auch klanglich umzusetzen, ohne irgendwie affektiert-effekthascherisch zu agieren, das alles räumt den Vieren einen Sonderplatz ein im internationalen Konzert der Weltklasse-Quartette. Und davon gibt es ja nun wahrlich nicht so unendlich viele…
 
Neues Deutschland, 17. Januar 2006
Bestechender homogener Zusammenklang, elegante Diktion und ein subtiles Miteinander bestimmen dieses ungemein deutliche, klanglich und gestisch fesselnde Musizieren. Ein virtuoses, an Leichtigkeit und Charme einmaliges Mozartspiel.
 
Kulturradio Berlin, 14. Januar 2006
Nun arbeitet das Leipziger Streichquartett bereits seit einiger Zeit mit Hartmut Rohde zusammen, und da verwundert es kaum, dass alle fünf in einer Qualität harmonieren, als würden sie ein festes Quintett bilden; am Zusammenspiel war nicht das geringste auszusetzen. Vor allem aber: Bei aller Harmonie sind sie dennoch Individualisten geblieben; es geht richtig zur Sache, ist keine Sekunde langweilig im Sinne einer verfehlten Abgeklärtheit. Der Hörer wird an die Hand genommen; man erfährt unmittelbar, wie aufregend, geradezu unberechenbar Mozart hier komponiert hat. Es entspinnt sich ein richtiger Wettstreit: Motive werden nicht nur von einem Instrument an das nächste weitergereicht, der eine versucht vielmehr seinen Vorgänger noch zu übertrumpfen, der bereits bekannten Figur eine eigene Note zu verleihen… Es war ein Erlebnis, wie hier niemand in übertriebener Ehrfurcht vor dem großen Genie Mozart erstarrte, sondern auf eine mitreißende Art und Weise das oft unter der Last gut gemeinter Anbetung zusammenzubrechen drohende Werk zum wirklichen Leben erweckt wurde. In dieser Kompromisslosigkeit entdeckte das erweiterte Leipziger Streichquartett eine in diesem Ausmaß neue Dimension im Mozartschen Schaffen – auf einem Niveau, das so schnell wohl kaum überboten werden kann.
 
Berliner Morgenpost, 15. Januar 2006
Den Beginn machte natürlich Mozarts Quintett in B-Dur KV 174. Es setzt Konversation zu Fünft. Mitunter, wie im Menuett, noch bezaubernd daherplappernd, im Adagio aber schon sich warmherzig aufgipfelnd zu einer zarten Ausdrucksgewalt, die von den Leipzigern aufs anrührendste herausgesungen wurde… Das Leipziger Streichquartett (plus Rohde) stellte funkelnd aus, allerdings ohne mit ihr nachdrücklich brillieren zu wollen… Die Leipziger öffneten die Tore sperrangelweit.
 
Leipziger Volkszeitung, 7. Dezember 2005
…so ist das beim LSQ nun schon verlässlich seit Jahren, und wenn es im kulturellen Leipzig etwas gibt, was unangreifbar bleibt, so ist es die hiesige Kammermusikszene. Nach wie vor analysiert und interpretiert das Quartett um Primarius Andreas Seidel das romantische Erbe mit treffsicherer Gründlichkeit und einem Klang, um den man die Mendelssohn-Stadt auch auswärts beneidet. Hier geht es erwartungsgemäß nicht um Effekt, sondern um Vollstreckung. Notfalls gnadenlos, aber immer im Dienste der Kunst. Sicherlich passen deshalb die Ansätze von Interpret und Komponist in diesem Fall besonders gut zusammen.
 
Aargauer Zeitung, 10. Mai 2005
Das Leipziger Streichquartett darf sich seit Jahren zu den ganz Großen seiner Zunft zählen. Sie gehen (Beethovens op. 18/6) locker und entspannt an, da gibt es keine Spur von übertriebener oder gar effektheischender Geste. Alles ist wohldurdacht und wird wunderschön ausformuliert. Dem aufmerksamen Hörer wird eine überreiche Palette unterschiedlichster Klangfarben, Nuancen und Schattierungen geboten. Die Leipziger agieren mit bewundernswerter Selbstverständlichkeit und Gelöstheit, alles an ihrer Interpretation wirkt richtig, schlüssig, zwingend. In vielen Quartetten ist der Primgeiger leuchtender Stern, umgeben von drei Trabanten. Selbstredend, dass dies bei den Leipzigern nicht der Fall ist: Das Quartett bildet in idealer Weise eine Einheit. Unüberhörbar machen die Musiker klar, dass sie anderen Quartetten um Bogenlängen voraus sind.
 
Nürnberger Zeitung, 15. Dezember 2004
Stürmische Zustimmung und Bravo-Rufe nach einer beispielhaften Interpretation. Hier war zu erfahren, was exzellentes Streichquartettspiel ist. Die vier Herren des Leipziger Streichquartetts sind Stürmer und Dränger, ihr Spiel ist hochexplosiv und zündend.
 
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Oktober 2004
Das Quartett erwies sich sich als der denkbar beste Fürsprecher dieser (A. Bergs) Musik, die eine in allen Facetten sorgsam austarierte Interpretation erfuhr. Was die Leipziger jedoch grundsätzlich auszeichnet, ist – neben absoluter Intonationsreinheit – die liebevoll exakte Sorgsamkeit an Phrasenenden, die sonst oft kurz abgerissen im Nichts enden. Selbst kräftigere Akzente werden … nie als pastose Drücker ins Feld geführt. Alles wirkt luftig, hell, oft auch grazil. Wiener Klassik und Leipzig – in diesem Fall eine erlebenswerte Symbiose.
 
Bonner Rundschau, 11. Mai 2004
Das Leipziger Streichquartett war eine Offenbarung beim Konzert in Beethoven-Haus, als Andreas Seidel, Tilman Büning, Ivo Bauer und Matthias Moosdorf an passendem Ort Lektionen in flexiblem Spiel erteilten. Sehr delikat, perfekt, ausbalanciert. So ausgewogen in der Besetzung findet man nicht viele Quartettvereiniungen. Andreas Seidel ist ein feiner, intelligenter Primarius. Er ist das, weil seine Partner auf demselben Niveau mit ihm korrespondieren. Wie bei ihnen, weit weg vom Disparatklang vergangener Jahrzehnte, wieder bei Beethovens op. 18/6 etwas vom klassischen Grundkonsens zurückgewonnen erschien, elegant und leuchtend und mit allen Akzenten und Verweisungen, das kann man postmodern nennen. Die Präsenz der Leipziger macht kein Aufhebens, ist aber voller Überzeugungskraft.
 
Südwestpresse, 10. Mai 2004

Lauter große B's: Das Leipziger Streichquartett war mit Beethoven, Berg und Brahms zu Gast. Das Ensemble bot brilliante Klangkultur – von „con brio” bis „amoroso”. Vor allem eine Eigenschaft zeichnet dieses Ensemble aus: Verglichen mit dem jungwilden Hagen-Quartett oder dem schönklangfixierten Juillard Quartet versuchen die vier Streicher um Primarius Andreas Seidel, zwischen Klangkultur und Ausdrucksintensität einen Ausgleich zu schaffen. Schon in Beethovens op. 18/6 zeichnen sich die Qualitäten des Leipziger Streichquartetts ab. Selten hat man das "Con brio" so rasant gehört, voller Elan und doch in perfekt abgerundeter Homogenität. Musikalische Seelenlandschaften entfaltet das Ensemble vollends in Bergs „Lyrischer Suite”. Die Streicher aus Sachsen werten das Werk zum Seelendrama auf – bekenntnishaft packend und dennoch in nobler Klangperfektion musiziert. Die Brillianz der Leipziger ließ sich dann im Brahms' op. 51/1 auch für alle jene Zuhörer nachvollziehen, die mit Bergs zerklüftetem Stil nicht so viel anfangen können: Atemberaubende Kontraste, tumultartige Dramatik, herrliche Kantilenen und eine in zartem Hell-Dunkel zuaberhaft skizzierte „Romanze”.

 
Stuttgarter Nachrichten, 3. September 2003
Gesprächskultur heißt: den anderen ausreden lassen, sich einfühlen in den Menschen, mit dem man sich unterhält. Und Gesprächskultur heißt auch: Meinungsverschiedenheiten austragen, Positionen herausarbeiten und womöglich am Ende das Unterschiedliche zusammenführen. So verstanden, war der nächtliche Auftritt des Leipziger Streichquartetts im Mozartsaal ein Musterbeispiel für gepflegte Gesprächskultur: Wenn Andreas Seidel,Tilman Büning, Ivo Bauer und Matthias Moosdorf Brahms' a-Moll-Quartett (op. 51,2) spielen, dann tun sie das in ausdrücklichem Miteinander. Dann wird auch die kleinste Phrase als Mittel der Kommunikation verstanden. Klangfarben, Dynamik, Tempo gehen da in eins. Man spielt aufeinander zu, man spielt miteinander, ganz selbstverständlich: wie Freunde, die sich so lange schon kennen, dass bei ihnen die Verständigung untereinander keiner Worte, ja nicht einmal eines Blickkontaktes bedarf. Sicherlich: Kommunikationskultur kann auch dort stattfinden, wo Meinungen härter aufeinander prallen, wo sich Gegensätze aneinander abarbeiten. Bei Brahms jedoch, dessen Musik ja stark von der Vernetzung der Gesten, von einer lebendigen Binnenstruktur lebt, könnte kein Zugriff stimmiger sein als derjenige, den das betont integrative Spiel des Leipziger Streichquartetts verkörperte.
 
Esslinger Zeitung, 3. September 2003
Milder strömen kann beseeltes Melos nicht als im Kopfsatz des Streichsextetts B-Dur op. 18 von Johannes Brahms. Das erweiterte Leipziger Streichquartett ließ im Mozartsaal das frühe Werk wie edel gereiften Wein in durchaus neue Schläuche fließen. Soll heißen: Die sensibel registrierten Klangfarben, die organisch schwellende und schwelgende Dynamik, die Finesse der rhythmischen Begleitfiguren und der Agogik mündeten in keinen pensionierten Behaglichkeitston, der Brahms' fortgeschrittenes Formdenken mit opahaftem Plüsch überzogen hätte. Völlig unforciert erreichte etwa die Schlussgruppe des Kopfsatzes nach einem Trugschluss gebührend bohrende Intensität, bis schließlich die Coda alle Spannung ins serenadenhafte Pizzicato auflöst. Und so entfaltete das Werk – namentlich im Bilderbogen des chaconneartigen Variationensatzes mit seinen stürmisch wogenden Cello-Skalen und seinen silbrigen Flageoletts – eine fast schon „Mahlerische” Kraft der Imagination. Was ja, gleichsam als Surplus einer Spitzeninterpretation, dem Stuttgarter Musikfest trefflich ins Programmkonzept passt.
 
Esslinger Zeitung, 2. September 2003
Brahms' Quintett f-Moll op. 34 hatte bis zur Letztfassung mit Klavier und vier Streichern eine lange Reifezeit hinter sich. Im zweiten, seiner Kammermusik gewidmeten Nachtkonzert des Musikfests, ließen das Leipziger Streichquartett und Peter Rösel am Flügel diesem Werk eine Darstellung zuteil werden, die in der vollendeten Balance eines vornehm gezügelten Temperaments und eines biegsam modellierten melodischen Strömens wie in ihrer lichten Transparenz der kompositorischen Struktur nachhaltig beeindruckte. Dem leidenschaftlichen Tonfall des einleitenden Allegro non troppo hatte man den gefürchteten ?erdruck zu nehmen vermocht. Der Klavierpart war perfekt in das Gesamtgeschehen eingebettet worden. Aufs Feinste austariert erschien der Gestus der atmenden Phrasenbögen. Dem zartfühlend ausformulierten Andante stand ein pulsierendes Scherzo gegenüber. Überzeugend hatte man die Charakteristika des Finalsatzes herausgearbeitet, wobei nichts bedeutungslos gelassen, jede ?erleitung zu genuinem Leben erweckt worden war. Eingeleitet hatte man den Abend mit Brahms' a-Moll-Streichquartett aus op. 51.
 
Deutschlandfunk, 18. April 2003
Charakteristisch für diese Kammermusikvereinigung ist das hohe Maß an gelassener innerer Spannung, die ihre Interpretationen auszeichnet. Sie neigen einfach nicht dazu, der Musik in irgendeiner Weise Gewalt anzutun. Auch bei raschen Tempi gewinnt man den Eindruck, die vier hätten alle Zeit der Welt. Die Musik entsteht wie von selbst aus einem gemeinsamen Atem, und dabei können die vier vor allem auch aufeinander warten – jeder formuliert die Gedanken seiner Stimme frei von Druck. So entstehen diese beiden Mozart-Quartette wie von selbst, werden die tragenden Ideen mit bemerkenswerter Tonkultur dargelegt und bis in die Verästelungen verfolgt. Transparenz der Faktur kommt nicht zuletzt dadurch zustande, daß an allen Pulten ein hohes Maß an Bereitschaft besteht, zurückzutreten, manches nur anzudeuten, um Wichtigeres an anderer Stelle momenthaft aufscheinen zu lassen. Das alles wirkt im besten Sinn konventionell, zeugt von einer Tradition, die das Gegenteil von Schlamperei darstellt, die vielmehr getragen scheint vom intensiven und geistvollen Umgang mit Interpretationsgeschichte. So ist der vorherrschende interpretatorische Gestus doch wohl der der Anspielung. Das wird gerade bei Mozart interessant, der die Anspielung liebte und dessen Stilmittel häufig genug darauf abzielen, zusätzliche Bedeutungshorizonte zu eröffnen, anderes anklingen zu lassen, die Welt der barocken Polyphonie etwa, die Welt des gesungenen Dramas. Es ist denn auch der Reichtum an Assoziationen, der bei dieser Art von Mozart-Interpretation mehr und mehr fesselt, je sorgfältiger man zuhört. So könnte man das Leipziger Streichquartett als eine musikalische Societät beschreiben, die der Aufklärung in ihrer liebenswürdigsten Form huldigt und die dem Zuhörer in diesem Fall auf die zuvorkommenste Weise versichert, bei Mozart könne jeder nach seiner Fasson selig werden. Wie sich herausstellt, ist es tatsächlich gar nicht so schwer, mit diesem Mozart selig zu werden.
 
Leipziger Volkszeitung, 4. November 2002
Keiner steht für den gelungenen Teil der Mendelssohn-Festtage so sehr ie das Leipziger Streichquartett. An den Zyklus "Sämtliche Streichquartette vom Felix Mendelssohn Bartholdy" habe sie sich gewagt, ihn ohne die geringsten Verschleißerscheinungen bewältigt und wieder einmal bewiesen, dass sie inzwischen zum engsten Kreis der Weltspitze gehören. Aus ihrem Ton spricht die edle Brillianz vollendeter Musizierkunst. Wo andere noch an Intonation und Phrasengestaltung arbeiten, können sich die vier Herren längst ungestört mit dem Wesentlichen beschäftigen. Jede Nuance spüren sie auf, finden den Witz und vertiefen düstere Abgesänge. Andreas Seidels Violine ist einfach ein Geschenk, und wenn er seinen Kollegen forsch die Einsätze zuwirft, weht der Wind großer Kunst durch das Ambiente von Mendelssohnhaus, Gohliser Schlösschen oder Gewandhaus. Die Symbiose Mendelssohn - Leipziger Streichquartett ist eine der prachtvollsten der Gegenwart. Auch die Gäste passen und das wunderbare Oktett ist nicht von dieser Welt. Worte wie "Grandios!" oder "Sternstunde!" machen die Runde und kursieren noch die nächsten Tage in den Konzertsälen.
 
Stuttgarter Nachrichten, 4. September 2002
Und wieder haben die Leipziger dem Feuerkopf Beethoven mit ihrem Spiel alle Ehre gemacht. Lakonisch fast, exponieren sie (in op. 18/1) diese unglaublich spröden zwei Takte. Spielend umkreisen sie das Motiv immer wieder, in allen nur denkbaren dynamischen Schattierungen. Unzählig und facettenreich sind die Antworten, die sie erhalten. Im langsamen Satz wagen sie das Unerhörte und eröffnen Klangräume von einer Stille, die so nur bei Morton Feldman zu finden sind. Die Grenzen der Harmonik leuchtem die Leipziger mit modernen Spieltechniken aus, alles "affettuoso ed appassionato" in Vorbereitung auf die formalen Erschütterungen im Scherzo und im Hexentanz des Finales ... Die Leipziger spielen, als läge eine Partitur Schönbergs vor ihnen. Jeder musikalische Parameter – Dynamik, Tempo, Klangfarbe, Rhythmus – erhält sein eigenes Gewicht. Am Ende nur noch Staunen über die Kraft, das Unvereinbare zur klassisch schönen Einheit gezwungen zu hören.

 

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